Sehnerventzündung (Neuritis nervi optici/Retrobulbärneuritis)

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Eines der verbreitetsten Symptome der MS ist die Sehnerventzündung. Sie gehört zu den sehr häufig auftretenden Erstsymptomen in unterschiedlichen Facetten.

Der Sehnerv überträgt das, was wir mit dem Auge aufnehmen, an unser Gehirn, genauer an das Zentrum, wo Bildhaftes (Visuelles) ausgewertet wird. Da frage ich mich, was denn so ein Nerv mit dem Gehirn, genauer dem Zentralen NervenSystem, zu tun hat! Der leitet doch nur Reize weiter!

Er gehört einfach dazu, lautet die Antwort, was ihn sehr empfänglich für Entzündungen bei MS macht. Je nachdem, wo nun die Entzündung auf dem Weg vom Auge zum Gehirn liegt, kann der Augenarzt, wenn er uns tief ins Auge schaut, etwas erkennen oder eben nicht. Da kann er manchmal schauen bis zum Sankt Nimmerleinstag und wird trotzdem nichts sehen.

Dann beginnt die Diagnostik für Sehnerventzündung. Hier empfiehlt sich ein Neurologe, der mit den notwendigen Geräten ausgerüstet ist. Dazu gehören VEP und MRT. Eine auch sehr beliebte Untersuchung – allerdings nur bei Augenärzten – ist die Augeninnendruckmessung. Für die MS-Diagnostik ist sie überflüssig, wird aber gemacht, da wir auch mit MS andere Erkrankungen zusätzlich haben können.

Frei nach dem Motto: Wenn du Flöhe hast, heißt das nicht, dass du keine Läuse bekommen kannst!

Die Behandlung einer Sehnerventzündung oder eines anderen Symptoms bei schubförmiger MS ist immer die gleiche: Kortikosteroide.

Wir wissen nun, dass sich eine Sehnerventzündung dadurch auszeichnet, dass der Augenarzt und sein Patient nichts sehen! Ich sehe nichts mehr, sagen einige und meinen damit ganz unterschiedliche Dinge.

Weiße/dunkle Flecken: Teile des Sichtbereichs sind verschwommen, verpixelt, dunkel oder schwarz/weiß oder komisch.

Manchmal kann man einfach gar nicht beschreiben, wie es genau aussieht. Ein erfahrener Neurologe hat schon häufig gehört, wenn ihm Patienten erzählen, dass sie irgendwie nicht richtig gucken können. Tritt so etwas auf , geht unser Weg zum Arzt und zwar so schnell wie möglich. Auch wenn die Neurologie uns kein Heilmittel gegen Sehnerventzündung geben kann, so sprechen die Augensymptome häufig auf eine Behandlung an. Kortikosteroide ist ein ungeliebtes Mittel, das aber gerade zu Beginn der Erkrankung helfen kann.

Schleiersehen: Wir haben das Gefühl, es habe jemand einen Vorhang vor uns zugezogen.

Schmerzen hinter dem Auge: Auch das kann häufig mit einer Sehnerventzündung zusammenhängen.

Eingeschränktes Sehfeld: Man hat das Gefühl, wie im Tunnel zu gucken. Hier gibt es eine sehr aufschlussreiche Untersuchung, bei der im Bereich unseres Sehfeldes in einem Kasten, in den man schaut, Leuchtpunkte auftauchen. Wir schauen direkt auf einen Punkt in der Mitte und schweifen nicht ab. Sehen wir dann ein Leuchten irgendwo, drücken wir einen Knopf. Bei der Auswertung sieht der Arzt dann, wie weit unser Sehfeld ist und ob es Ausfälle gibt. Das machen wir mit jedem Auge separat.

Doppelsehen/Doppelbilder/Diplopie:

Dieses Erstsymptom tritt häufig (zum Glück) vorübergehend auf und hat mit der Steuerung der Augenmuskeln zu tun und bekommt deshalb einen eigenen Eintrag.

Übereinstimmend kann man sagen, dass die Sehnerventzündung eines der häufigsten Symptome der MS ist. Die Ungewissheit zu erblinden, macht uns sehr große Angst. Statistik ist nichts wert, wenn es uns erwischt, obwohl die Wahrscheinlichkeit gering ist. Aber es ist schon sehr beruhigend, dass eine Erblindung sehr selten der Fall ist. Wie alles aus der Welt der MS können sich die Sehnervsymptome vollständig oder zumindest weitgehend zurückbilden.

Warum ausgerechnet so ein kleiner Nerv, der eigentlich überhaupt nicht richtig zum ZNS dazugehören sollte, so häufig getroffen wird, ist eine besondere Laune der MS. Grundsätzlich, wie es bei allen MS-Symptomen der Fall ist, ist Gelassenheit die erste Bürgerpflicht. Damit ist nicht die Gelassenheit gemeint: Ach ich warte mal ab; das wird schon irgendwie wieder; die können ja sowieso nix machen. Es ist die Gelassenheit im Umgang mit dem Symptom. Nervosität macht alles nur schlimmer. Deshalb heißt es ja Nervosität!


Tipps

  • Sehprobleme? Sofort zum Arzt unseres Vertrauens.
  • Einmal zuviel ist besser als einmal zuwenig.
  • Je gelassener wir sind, desto mehr sehen wir.
  • Wir können auch schlecht gehen, wenn wir schlecht sehen.

§ 1 der StraßenVerkehrsOrdnung

Für diejenigen, die die Fahrschule lange hinter sich haben. Es reicht nicht aus, wenn man sich notdürftig an den weißen Straßenmarkierungen entlanghangelt.

  • (1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.
  • (2) Wer am Verkehr teilnimmt, hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.